Eine Woche Stille! Und was soll das bringen?

Gemütliche Lesezeit ca. 9 Minuten.

„Und was soll das bringen?“, fragte mich meine Mutter vor meiner Abreise zu meinem Stille-Retreat mit Sri Mooji in Portugal. Sie stellte diese Frage mit diesem mir sehr wohl bekannten Ton, der mir irgendwie ein schlechtes Gewissen machte. Ich fühlte mich ertappt und eingeschüchtert; auch, weil ich keine Antwort parat hatte.

Ein Erfahrungsbericht

„Ja, was soll so ein Stille-Retreat inklusive digitalem Fasten eigentlich bringen?“, stellte ich mir selbst dann auch die Frage. Eine Woche nichts reden, nichts lesen, keine Musik hören, kein Internet, kein Telefon und vor allem kein Facebook & Co. Einfach Nichts oder „Nothingsness“, um Moojis Worte zu gebrauchen.

Neben nicht sprechen und ohne Laptop – er ist seit einigen Jahren mein wichtigstes Arbeitstool, und ich hatte ihn vor Eintritt in die einwöchige Stille meinem Partner feierlich übergeben – teilte ich als Sahnehäubchen einen spärlich eingerichteten Bungalow mit vier weiteren Frauen aus vier unterschiedlichen Ländern. Zu viert teilten wir uns ein kleines Zimmer mit zwei Stockbetten, die fünfte hatte ein Einzelzimmer.

Ich war als erste im Bungalow angekommen und hatte die Qual der Bettenwahl. Ich entschied mich für das obere Bett, gleich neben dem kleinen Fensterchen.

Am ersten Abend hätten wir fünf noch die Möglichkeit gehabt uns auszutauschen, um unser einwöchiges Zusammenleben zu besprechen und zu organisieren. Aber es ergab sich nicht. Es kam lediglich zu einem kurzen Austausch mit meiner Zimmergenossin aus Frankreich, indem ich erfuhr, dass sie bereits zum zweiten Mal da war. Danach kollidierte ich noch mit einer Zimmerkollegin aus Deutschland, die mich fragte, ob das mit dem „Toilettenpapier nicht ins Klo schmeißen“ ernst zu nehmen sei. Ich gab kurz zurück, dass ich mit den portugiesischen Toiletten-Gewohnheiten nicht vertraut sei, dieses Klopapier-in-den-Mülleimer werfen aber aus Griechenland kenne und mir gut vorstellen könnte, dass die Portugiesen das auch so machen.

Auf dem Weg hinüber zum großen Zelt, wo das Stille-Retreat und die Satsangs ihren Anfang nehmen würden, begegnete ich noch meiner Freundin Sofia, der ich es zu verdanken hatte hier zu sein. Sie war im März für einige Tage auf Besuch bei mir in Wien gewesen, wo wir bereits um 6 Uhr morgens Moojis Live-Satsang-Übertragungen aus Rishikesh übers Internet verfolgt hatten. Wir umarmten uns und tauschten kurz ein paar Befindlichkeiten aus.

Ehrlich gesagt war ich da schon mitten im Stille-Retreat-Modus und hatte auch gar kein Bedürfnis mehr nach Reden. Dieser Modus hatte ganz schnell bei mir eingesetzt. Ich hatte sogar nach dem Retreat noch für einige Zeit Mühe mit dem Sprechen.

Ab nun war es also still. Für eine ganze Woche lang. Still, gemeinsam mit fünf Frauen in einem Holzbungalow und still gemeinsam mit über 700 Teilnehmern am Retreat. Aber vor allem war es still in mir.

Still inmitten von mehr als 700 Menschen. Das war ein weiteres Faszinosum für mich in dieser Woche. Es gab keine einzige Situation, in der ich mich eingeengt oder bedrängt fühlte, zumal ich an leichter Klaustrophobie leide. Die Stille, die tolle Organisation und das wohlwollende Miteinander am Retreat haben diesen Ort zu einem magischen Freiraum für meine Innenschau und Kontemplation werden lassen.

Ich wurde nicht nur sprachlich stiller, alles wurde stiller in mir und um mich herum. Meine Bewegungen, mein Herzschlag, mein Essen, mein Trinken, ja, auch mein Schlaf und meine Träume wurden angenehm stiller, aber allen voran mein Denken. Auch die Natur erschien mir stiller. Alles wurde von dieser Stille erfasst.

Und dann passierte da noch etwas ganz besonderes. Mein Lachen veränderte sich und bekam eine ganz neue Qualität. Ich musste oft plötzlich auflachen und auch immer wieder über mich, meine Gedanken und Ängste lachen. Es war so ein wissendes Lachen. Ein Lachen der Erkenntnis. Ein berauschtes Lachen, wie ich es aus meiner Kindheit kannte. Ein wissendes Lachen, das so vieles relativierte. Es setzte sich einfach auf meine Lippen und blieb, wurde intensiver und ab und an wollte es gar nicht mehr aufhören und lachte und lachte immer weiter und durchdrang mein ganzes Sein mit einem wunderbaren Gefühl von Glückseligkeit.

Einmal in einem Satsang passierte es, dass wir alle inklusive Mooji in einen Lachkrampf verfielen. Wir waren an diesem Tag wohl alle in diesem Glückseligkeitsrausch. Das war ein sehr besonderer Moment.

Auch heute noch, Wochen nach dem Retreat, setzt sich ein derartiges Lachen auf meine Lippen und erfüllt mein gesamtes Sein mit einer tiefen Ruhe und Weisheit.

Nach der Rückkehr bekam ich abermals die Frage: Und was soll das bringen? Auch dieses Mal kam keine Antwort von mir, weil ich einfach erkannte, dass es auf gewisse Fragen keine Antworten gibt. Jedenfalls keine, die ausgesprochen werden können, da sie genau in diesem Akt des Aussprechens ihre gesamte Wahrheit, ihre Seele, ihr Sein verlieren. Es gibt Erfahrungen, die einfach nicht in Worte gefasst werden können, weil dabei ihr gesamter Zauber verloren geht. So erging es mir auch im Retreat. Für das, was ich in dieser Woche erlebte, gibt es keine Worte, weil diese Erfahrung auf einer subtileren Ebene stattfand, die mit Sprache nichts am Hut hat.

Ich kann es nur soweit in Worte fassen, dass ich euch sagen kann, dass ich das Stille-Retreat als puren Luxus erlebt habe und dass ich die enorme Erkenntnis gewann, dass ich immer genau richtig war und stets richtig bin. Dass das Wesentliche im Leben aus kleinen Dingen besteht und nichts mit Besitz und Anhaftung zu tun hat. Im Gegenteil, letztere sind nur Störfaktoren für die Herausbildung unseres wahren Seins, unsres authentischen Ausdrucks unseres Selbst.

Außerdem bin ich, dank des zusätzlichen digitalen Fasten-Effekts, nun seit Wochen nicht mehr auf Facebook und habe dadurch einerseits enorm viel Zeit gewonnen, die ich nun sinnvoll für mich einsetzen kann. Andererseits habe ich dadurch auch ein Weniger an Stress und muss nicht von einem Post zum anderen hüpfen. Auch greife ich nun vermehrt zum Telefonhörer und hab das Nachrichtenschreiben eingeschränkt. Ein Messaging-App auf meinem Smartphone habe ich sogar zur Gänze gelöscht.

Ich habe Facebook keineswegs Adé gesagt. Mir sind seine Vorteile durchaus bewusst. Demnächst werde ich mich auch wieder auf mein Konto trauen. Aber dann sicherlich mit mehr Bedacht, weil mir die gewonnene Zeit zu kostbar ist. Ich sie lieber in authentische Begegnungen, kreativ-inspirierende Momente und sinnvolle Arbeit investieren möchte, als in eine digitale, zeitverschlingende und unpersönliche Kommunikation.

Für alle, die Mooji noch nicht kennen: Er ist ein in Portugal lebender spiritueller Lehrer aus der Advaita Vedanta (Non-Duality) Richtung. Zum ersten Mal begegnet ist er mir vor ein paar Jahren in einem Facebook-Post. Er war mir sofort sympathisch, weil er wie ein kuscheliger Teddybär aussah und mich noch dazu mit seinen Aussagen ganz tief berührte. Grundsätzlich bin ich kein Guru-Freund, weil ich es für wichtiger halte, meinen eigenen inneren Weg zu gehen und dabei unabhängig zu bleiben. Bei Mooji machte ich eine Ausnahme, weil ich spürte, dass ich durch seine Satsangs meinem eigenen Guru und der Frage nach dem „Wer bin ich?“ näher kam.

Heute weiß ich auch, dass es mehr als hilfreich war mich nicht mit meinen Zimmergenossinnen auszutauschen. Ohne Sprache haben wir auf einer tieferen – ich würde sagen intuitiven Ebene – miteinander kommuniziert. Ich bin noch immer fasziniert, wie problemlos, fast wie von einer unsichtbaren Hand geleitet, das Zusammenleben auf engstem Raum vonstattenging.

Das Stille-Retreat lehrte mich drei Dinge:

  1. Alles ist gut, wie es ist. Vertraue dem Leben!
  2. Löse dich immer wieder von dem, was du glaubst zu sein!
  3. Genieße das Leben. Du weißt nicht, wie lange du es hast!
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Titelbild

Zaphiris Epaminondas 

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