Ein umgekipptes Dekolletee und ein Osterei

Gemütliche Lesezeit ca. 4 Minuten.

Kristin Rübesamens Buch „Das Yoga-ABC“ ist unkonventionell, amüsant und witzig – inhaltlich erfährst du darin aber nichts Neues. Der alte Wein ist nur in lustige bunte Schläuche gefüllt.

Yoga-Bücher sind oft sehr trocken und sperrig zu lesen. Anders ist das bei Kristins Rübesamens „Yoga-ABC“. Die Autorin greift sich in ihrem Buch 26 Begriffe aus der Yoga-Welt heraus – also für jeden Buchstaben einen Begriff, und erklärt diese in vergnüglicher und verständlicher Art und Weise.

Die beschriebenen Begriffe stammen aus allen möglichen Yoga-Ecken: mal wird eine ganze Yoga-Richtung erklärt, mal fällt der Name eines berühmten Guru, dann wieder ein Oberbegriff aus den Yoga-Haltungen oder die lateinische Bezeichnung eines Muskels. Ein ziemliches Durcheinander also, das mit lustigen Anekdoten gespickt ist. So ist das „Yoga-ABC“ zwar kurzweilig zu lesen, mit dem eigentlichen Begriff, der gerade erklärt wird, haben diese kurzen Geschichten allerdings meist recht wenig zu tun. Oft enstpringt die Verbindung einer langen Assoziationskette im Kopf der Autorin.

Subjektive Erklärungen

Rübesamen, ihres Zeichens Jivamukti- und Om-Yoga-Lehrerin, erklärt diese Begriffe sowohl aufgrund ihres eigenen Wissens, als auch aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen im Unterrichten und Unterrichtet-Werden. Humor und eine gehörige Portion Selbstironie begleiten dich durch das Buch. Zum Beispiel setzt sich Kristin Rübesamen mit dem in der Yoga-Welt allgegenwärtigen Om-Zeichen auseinander, welches sie als ein „umgekipptes Dekolletee, aus dem ein Osterei fällt mit zwei fröhlichen Klecksen gekrönt“ beschreibt.

Beinahe beiläufig streut die Autorin Tipps zu Haltungen und philosophisches Hintergrundwissen ein. Du erfährst in dem Buch durchaus einen kleinen Anfangs- Grundstock, was die Yoga-Philosophie betrifft. Rübesamen schafft es, dieses Wissen so locker und leicht zu verpacken, dass es dir gar nicht mehr auffällt, wie komplex das alles eigentlich ist.

Scharfe Kritik

Die gegenwärtige Yogaszene kommt bei Rübesamens Ausführungen allerdings weniger gut weg. Sie beschreibt Yogis und Yoginis unter anderem als dünnhäutige Narzissten, was sie auf die dauernde Beschäftigung mit sich selbst zurückführt. Ihre eigene Person nimmt sie dabei keineswegs aus.

Kritik übt die Autorin auch, wenn sie den Begriff „Guru“ erklärt. Sie verweist auf Beispiele von skandalumwobenen Gurus, die „Rolls Royce sammeln“ oder „Gruppensex mit Hausfrauen“ haben. Kristin Rübesamen kommt zu dem Schluss, dass alles und jeder ein Guru sein kann, der dich zur Selbsterkenntnis zwingt.

Einzig bei B.K.S. Iyengar, dem großen indischen Yoga-Lehrer, klingt tiefer Respekt vor seinem Werk und Wirken durch, obwohl sie ihn etwas herabsetzend als Mann mit „froschähnlichem“ Körper und buschigen Augenbrauen beschreibt.

Fazit: Das „Yoga-ABC“ ist mit schönen Illustrationen versehen, sehr menschlich und stellenweise wirklich witzig geschrieben, und schneidet trotzdem alle großen Themen zu Philosophie, Yoga-Haltungen, wichtigen Büchern und großen Yoga-Lehrern an. Wenn du dich mit den Begrifflichkeiten des Yoga auf amüsante Art vertraut machen willst, ist das Yoga-ABC eine gute Gelegenheit für dich in die Yoga-Welt hinein zu schnuppern. Während der Lektüre des Buches wirst du dich gut unterhalten!

Das Yoga ABC - Von A wie Atmen bis Z wie Zehnerkarte, Kristin Rübesamen, Kailash Verlag

Das YOGA ABC

 

Kristin Rübesamen: Das Yoga-ABC. Von A wie Atmen bis Z wie Zehnerkarte. Kailash Verlag 2014. 154 Seiten

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