Selbstliebe ist eine Revolution

Gemütliche Lesezeit ca. 9 Minuten.

Unsere Leistungsgesellschaft kann nur deshalb funktionieren, weil wir kontinuierlich über unsere Grenzen gehen. Wir als Kollektiv haben verlernt, gut auf uns und unseren Körper zu achten. In solch einer Kultur ist Selbstliebe eine Revolution.

Youbeee Expertenbeitrag

Burnout, chronischer Stress, Schlafstörungen, chronische Magen-, Kopf-, Rückenschmerzen, … Der Preis ist hoch, den viele von uns für das Funktionieren unserer Leistungsgesellschaft bezahlen.

Wird die Belastung zu hoch, ist das eigene System kurz vorm Zusammenbruch, ist die Leistungsgrenze erreicht, so machen viele einen Schnitt, nehmen sich eine Auszeit, orientieren sich neu, versuchen einen Neustart. Die Erfahrung meiner Coachings speziell mit Burnout-Betroffenen zeigt: Auch am neuen Job sind ähnliche Muster vorprogrammiert, wenn in deiner Auszeit nicht eine grundlegende Transformation stattfindet.

Selbstfürsorge: die Sauerstoffmaske im Flugzeug

Bei einer Flugreise hatte ich ein einschneidendes Aha-Erlebnis: Bei den Sicherheitsinstruktionen heißt es, man solle sich im Falle eines Druckverlustes zuerst selbst die Sauerstoffmaske überziehen, bevor man anderen – auch den eigenen Kindern – hilft. Oh, das war eine Erkenntnis! Wie soll ich anderen beistehen, wenn mir selbst die Luft ausgeht? Ich muss auf mich selbst schauen, damit ich überhaupt eine Chance habe, für andere sorgen oder im Außen tätig sein zu können!

Seither ist Selbstfürsorge ganz oben auf meiner Prioritätenliste: für mich selbst sorgen. Manchmal braucht es eine Extrastunde Schlaf. Oder einen Besuch in meinem Lieblingscafé. Oder ein heißes Bad. Oder einen Spaziergang ganz alleine unter dem Sternenhimmel. Oder ein gutes Buch. Oder ein Stück Schokolade. Oder ein Gespräch mit meiner Freundin. Oder ganz etwas anderes.

Selbstliebe: sich selbst annehmen

Ich glaube an die tiefe Intelligenz jedes Wesens, zu jedem Zeitpunkt bestmöglich zu handeln – so wie es im jeweiligen Augenblick am besten möglich ist. Was könnte also die gute Absicht sein, die dich und mich und uns alle immer wieder veranlasst, über die eigenen Grenzen zu gehen? Ist es nicht das tiefe Bedürfnis, sich „gut“ zu fühlen, sich bestätigt zu fühlen, ein Erfolgserlebnis einzufahren, angenommen zu sein, sich zugehörig zu fühlen?

Und da berührt dann das berühmte Gedicht von Erich Fromm, in dem es in der immer wiederkehrenden Zeile heißt: „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“

Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Ich bin, wer ich bin, sagt die Selbstliebe. Und das ist gut so.

Selbstliebe, Rose, Uli FeichtingerSo lass die Erwartungen an dich selbst los – wenigstens für diesen Moment. Lass all die könnte-sollte-müsste-eigentlich-noch weiterziehen wie Vögel auf ihrer Wanderung in den Süden. Schick deine kritischen inneren Stimmen in den Garten zum Spielen. Komm mit der Aufmerksamkeit bei dir selbst an. Spüre dich atmen. Fühle das Herz in deiner Brust schlagen. Du bist hier. Das Mysterium des Lebens dachte, dass es eine gute Idee ist, dich auf die Welt zu schicken. Hier bist du. Bring deine Hände zu deinem Herzen und spüre: Du bist. Du bist, wie du bist. Und das ist gut so. Mit allen Ecken und Kanten. Das ist gut so. Verweile so lange, wie du dich mit dir selbst gut verbunden fühlst. Dann nimm einen tiefen Atemzug, seufze voller Erleichterung, dehne und strecke dich und nimm diese Liebe mit, wenn du nun wieder nach außen gehst.

Selbstliebe: im Körper ankommen

"Die Liebende", Susanne Rüttimann Kiepenheuer, Selbstliebe

„Die Liebende“ von Susanne Rüttimann Kiepenheuer

„Mögest du darauf vertrauen, dass du genau so bist, wie du gemeint bist.“ Dieser Wunsch stammt von der heiligen Teresa von Ávila. Ihr Segenspruch endet mit: „Möge sich dieses Wissen in deine Knochen setzen.“ Die Mystikerin des 16. Jahrhunderts wusste bereits, wie wichtig es ist, dieses Wissen und dieses Gefühl im Körper zu verankern und zu spüren.

So lade ich dich ein, mehrmals pro Tag innezuhalten – und wenn es die wenigen Minuten auf der Toilette sind – und ganz bei dir anzukommen: Du bringst die Hände auf dein Herz, fühlst dich atmen, nimmst deinen Körper ganz bewusst wahr, seufzt tief und spürst dich selbst. Ich bin, wie ich bin, und das ist gut so.

Selbstliebe: ein Akt der Revolution

Wenn du dich annimmst, wie du bist, unabhängig von dem, was du im Außen erbringst, beginnst du, aus dem Hamsterrad der Leistungsgesellschaft auszusteigen. Du spürst dich in deinem Körper viel deutlicher und damit deine Grenzen. Du nimmst dich und deine Gesundheit wichtig. Dein innerer Dialog mit dir selbst wird friedlich. Du würdigst wohltuende Beziehungen. Du erkennst, wie wenig Materielles es braucht, um mit sich selbst glücklich zu sein. Mit alledem stärkst du dein inneres Leadership und deinen liebevollen Umgang mit dir selbst.

Aus diesem Ja zu dir selbst erwächst fast automatisch die Fähigkeit, gesunde Grenzen zu ziehen und nicht immer und überall erreichbar zu sein. Zuerst ist dies oft nicht einfach, weil viele Mitmenschen verärgert reagieren, wenn sie dich nicht sofort erreichen können. Doch die Erfahrung zeigt, wie wertvoll jeder und jedem von uns die bewusste Eigenzeit wird, wenn sie sich im Tagesablauf erst einmal etabliert hat. Eine Coaching-Kundin hat es so formuliert: „Ich werde richtig rebellisch, wenn ich an einem Tag keine Zeit für meine Selbstfürsorge habe.“

Noch ist Selbstliebe nicht im Mainstream der Gesellschaft angekommen. Doch ich male mir aus, wie sich unsere Kultur verändert, wenn immer mehr Menschen sich in Selbstliebe stärken und nähren: wie sie dadurch in ihre menschliche Größe wachsen. Wie die Gemeinschaft dadurch in Konfliktsituationen gelassen zu gemeinsamen Lösungen findet. Wie sich Arbeit gerechter verteilt. Wie die oft übersehene unentgeltliche Arbeit in Familien und anderen Gemeinschaften gewürdigt wird. Wie energie- und kraftsparende Kooperation immer mehr in den Vordergrund tritt. Bist du dabei?

 

Anleitung zur Selbstreflexion

Selbstreflexion

  • Was tust du, um für dich selbst zu sorgen?
  • Was tut dir gut?
  • Was lädt deine Batterien wieder auf?
  • In welchen Situationen bist du verleitet, immer wieder über deine Grenzen zu gehen?
  • Wie erinnerst du dich selbst daran, mehrmals pro Tag in Selbstliebe innezuhalten?
  • Welche gesunden Grenzen entstehen aus deiner Praxis der Selbstliebe?
  • Was verändert sich durch die Praxis der Selbstliebe in deinem Leben?
Ankündigung Lehrgang

Selbstliebe und Selbstvergebung sind zentrale Themen im

Lehrgang „Spirit im Alltag: Wachse in deine Größe“,

der am 16. Jänner 2016 erstmals in Wien startet.

Mehr Infos unter: www.weripower.at/lehrgang_spiritimalltag/

eBook Download

Du bist OK.

Raus aus der Was-mach-ich-nur-falsch-Falle!

So lautet der Titel des kostenlosen eBooks von Uli Feichtinger,

das dich auf dem feminin-evolutionären Weg begleitet.

Download unter: www.du-bist-ok.com

Interessante Links

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Fotonachweis

Titelbild: „Love yourself“ © Quinn Dombrowski via flickr.com CC by 2.0

Rose in Herz-Form: Uli Feichtinger

Figur „Die Liebende“ *) : Uli Feichtinger

*) Die Skulptur heißt „Die Liebende“ und wurde von Susanne Rüttimann Kiepenheuer erschaffen. Meine beste Freundin hat sie mir geschenkt, weil die Skulptur so gut zu mir passen würde. Die Liebende steht bei mir im Wohnzimmer auf einem zentralen Platz und erinnert mich bei jedem Vorbeigehen daran, an die Selbstliebe zu denken. Wann immer ich Seminare und Workshops zu diesem Thema abhalte, begleitet sie mich. Manche Menschen mokieren sich über ihre Hüften – sie entspricht so ganz und gar nicht dem Schönheitsideal offenbar – doch ich liebe sie und ihren in sich und ihre Selbstliebe versunkenen Gesichtsausdruck. Sie verkörpert den Segen der Teresa von Avila: „Mögest du darauf vertrauen, dass du genau so bist, wie du gemeint bist.“

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