Lebensrettung Burnout

Gemütliche Lesezeit ca. 5 Minuten.

Manchmal kommen Geschenke ins Leben, die man nicht gleich als solche erkennt. Geschenke, die man gleich zum Zeitpunkt der Überreichung gedanklich in den Keller trägt. Ihr kostbarer Inhalt entfaltet sich erst, wenn die Zeit reif ist. So ist es Silvia Franz mit ihrer Diagnose Burnout ergangen. 

„Ich möchte nicht behaupten, das Geschenk gleich erkannt zu haben. Alles in mir hat sich dagegen gestellt. Es hat nicht zu mir gepasst. Ich war jemand, die ihr Leben im Griff hatte. Ich wollte mit diesem lächerlichen Nichts, das behauptete, ich zu sein, nichts zu tun haben“, erinnert sich Silvia an die Anfänge ihres Burnouts. Sie hasste das Gefühl der Schwäche, die Schwere, die Angst vor dem Alleinsein, die schlaflosen Nächte.

Und doch konnte sie die aktuelle Realität nicht leugnen. Langsam dämmerte ihr, dass etwas in ihrem Leben sehr schief gelaufen ist. Auch wenn es von außen am ersten Blick nicht so ausgesehen hat, denn sie hatte als Juristin inhaltlich ihren Traumjob gefunden. Die Arbeitsbedingungen stellten sich allerdings mit der Zeit als weniger traumhaft heraus. Und ihre immensen Ansprüche an sich selbst, ihre Arbeit gut zu erledigen, komme was da wolle, taten ihr übriges.

Wie will ich leben?

Irgendwann wusste sie, es war an der Zeit die Kellertreppen hinunterzusteigen, um die dort angehäuften Pakete genauer unter die Lupe zu nehmen, endlich die Tränen zuzulassen, die schon jahrelang auf Befreiung gewartet haben, es war an der Zeit, verdrängtem Schmerz den verdienten Raum zu geben, den er brauchte, um sich auflösen zu können. „Es war an der Zeit, mir selbst Liebe zu schenken. Es war an der Zeit, mich zu fragen, wie ich mein Leben leben will.“ Und es war an der Zeit, ihrem Körper Zeit und Raum zum Heilen zu geben. Das tat sie schließlich in Form eines mehrmonatigen Krankenstands. Rückblickend meint sie: „Ich war sehr froh, dass ein Krankenstand möglich war. Auch wenn es absolut nicht lustig ist, im Krankenstand zu sein, ermöglicht er doch eine Verschnaufpause – mir wäre in diesem Stadion etwa auch Bildungskarenz viel zu viel gewesen, ganz zu schweigen von dem Gefühl arbeitslos zu sein.“

Hilfe annehmen

Während ihrer unfreiwilligen Auszeit hat sie sich die Hilfe geholt, die sie brauchte, um aus ihrer dunklen Situation herauszukommen. „Mit der Zeit sind unglaublich wunderbare Menschen und Dinge in mein Leben getreten. Riesengroße Geschenke! Ich habe es wieder geschafft, mein Herz zu öffnen und Liebe in mein Leben zu lassen, das ist das wunderbarste Geschenk“, sagt Silvia. Aber auch die Tatsache, dass ich gelernt habe, mehr auf meinen Körper zu hören und dass ich ein noch nie dagewesenes Vertrauen ins Leben gefunden habe, ist unglaublich bereichernd.“

Auch Biodanza hat sie in dieser Zeit für sich entdeckt, eine Art tanzende Selbsterfahrung. Mittlerweile bietet sie auch eigene Biodanzagruppen an.

Alles zu seiner Zeit

Heute steht ihr Leben nachwievor auf dem Kopf, wobei sie sich immer öfter fragt, ob sie es ist, die auf dem Kopf steht, oder doch die Welt. Würde sie sich wünschen, sie hätte auf die Zeichen ihres Körpers früher geachtet? Ja!! Aber ich habe die Zeichen nicht verstanden. Das Gefühl entsprechen zu müssen, keine Schwäche zulassen zu dürfen, war größer. Ich habe diesen tiefen Fall leider gebraucht und bin unendlich dankbar dafür, den Weckruf verstanden zu haben. Mein Leben hat an Tiefe gewonnen und das fühlt sich sehr, sehr gut an.“

Buchtipp
Mathilde Franz, „Das andere Leben“ über Silvias Weg aus dem Burnout.

Link
www.silvia-mathilde-franz.at

Titelbild

„Zuk Burnout“ © Trevor Butcher via flickr.com CC BY 2.0

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