Mein Herzenswunsch – greifbar nah oder unendlich weit entfernt?

Gemütliche Lesezeit ca. 6 Minuten.

Erst wenn sich mein Herzenswunsch erfüllt hat, werde ich richtig glücklich sein. Doch so sehr ich mir auch die Erfüllung dieses Wunsches herbeisehne – nichts geschieht. Geht es Dir genauso?

Youbeee Expertenbeitrag

Ich für mich unternehme daher alles Mögliche, kaufe jede erhältliche Lektüre darüber, treffe mich mit Gleichgesinnten, verdränge meinen Wunsch, oder denke jede freie Minute daran, um meine Energie in die von mir gewünschte Richtung zu senden. Doch so sehr ich mich auch anstrenge, der Erfolg bleibt aus. Was jetzt?

Da endlich stosse ich auf einen neuen Hinweis. Das englische Codewort heißt surrender. Irgendwie klingt das aber nach Niederlage, in der deutschen Sprache jedenfalls. Die Übersetzung dieses Wortes wird mit aufgeben, sich aushändigen, kapitulieren, auf etwas verzichten und sich hingeben, angegeben. All das hört sich für mich nicht gerade verlockend an. Soll ich jetzt meinen Herzenswunsch einfach aufgeben, ohne es noch einmal wirklich versucht zu haben?

Doch so ist das Ganze nicht gemeint, lasse ich mich belehren. Surrender ist keine Niederlage, sondern eine Lebenseinstellung. Ich übergebe meinen Herzenswunsch dem Universum, damit es daraus das Allerbeste macht, das es für mich gibt.

Wer garantiert mir aber, dass das, was das Universum für mich vorsieht, auch wirklich gut ist? Niemand. Doch auf der anderen Seite besteht durchaus die Möglichkeit, dass alles viel besser wird, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorstelle. Vielleicht habe ich mich mit meinen Vorstellungen, wie mein Leben aussehen soll, auch einfach limitiert und selbst blockiert?

Ich beschliesse daher, etwas Neues zu wagen, schreibe meinen Wunsch auf, zerreisse den Zettel und verbrenne das Papier im Kaminfeuer. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich, als das Feuer die Papierstückchen erbarmungslos vernichtet. Loslassen ist nicht einfach! Das war mir schon länger klar. Doch jetzt wird mir auf einmal bewusst: Ich gehe damit auch das Risiko ein, dass mein Herzenswunsch gar nie in Erfüllung geht. Loslassen bedeutet nämlich, alles annehmen, was danach geschieht – bedingungslos.

Unsicher geworden, warte ich auf einen Wink des Schicksals, denn was ich am liebsten habe, sind schnelle Ergebnisse, die mir bestätigen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Doch – nichts geschieht. Was nun?

Was würde eigentlich geschehen, wenn sich mein Herzenswunsch tatsächlich erfüllen würde? Ehrlich gesagt, habe ich Angst davor. Angst vor dem Neid der anderen, dass ich es geschafft habe. Angst davor, mein Glück wieder zu verlieren, wenn ich es endlich in den Händen halte. Angst, mit meinem Glück jemandem etwas wegzunehmen. Wie soll sich so mein Herzenswunsch manifestieren, bei all diesen Ängsten?

Schicksalsergeben beginne ich nun, mich mit meinem jetzigen Leben zufrieden zu geben. Beginne zu schätzen, was ich bis jetzt alles erreicht habe, was bereits rund läuft, was mir Freude und Zufriedenheit schenkt. Es sind das all die alltäglichen Dinge unseres Lebens, die wir allzu oft als selbstverständlich ansehen: ein warmes Essen auf dem Tisch, ein kuscheliges Bett zum Schlafen, ein knisterndes Kaminfeuer, das wohlige Schnurren der Katze, Zeit für einen Waldspaziergang an der frischen Luft, Sonnenstrahlen auf dem Gesicht zu spüren. Ja, einfach die Möglichkeit zu haben, kerngesund am Morgen aus dem Bett zu springen und einer Arbeit nachzugehen. Je länger ich nachdenke, desto grösser wird die Liste der Dinge, für die ich dankbar bin – und je kleiner wird meine Sehnsucht nach meinem Herzenswunsch.

Endlich erkenne ich, was das Wort surrender bedeutet: Dankbar zu sein für alles in unserem Leben. Und uns zu freuen auf das, was noch kommen mag sowie die Gewissheit zu haben, dass unser Leben nur noch besser werden kann. Warum ich dessen so sicher bin? Weil das Gute nur dann kommen kann, wenn wir bereits glücklich und zufrieden sind – ohne ein Gefühl, dass uns etwas fehlt. Vielleicht war es auch schon lange da, doch wir haben es nicht gesehen. Zu sehr waren wir mit dem Kampf beschäftigt, unseren Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Doch das Leben ist kein Kampf, es ist ein Fluss. Entweder wir fliessen mit ihm oder schwimmen dagegen. Das Erste führt uns zu unseren Wünschen, das Zweite hält uns davon ab.

Surrender – ich lasse bedingungslos los. Was habe ich auch zu verlieren? Nichts, außer meiner Angst,  mein Herzenswunsch könnte sich tatsächlich erfüllen.

Buchtipp:

Tosha Silver: Outrageous Openess – Leting the Divine take the lead

 

Tosha Silver: Change Me Prayers – The Hidden Power of Spiritual Surrender

Titelbild

„Herz aus Stein“ © Frank Behrens via flickr.com CC BY 2.0

Share on FacebookPin on PinterestTweet about this on Twitter

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.