Chris Cummins lebt seinen Reisetraum

Gemütliche Lesezeit ca. 8 Minuten.

Vietnam, Rumänien, Uganda – FM4-Morning Show Moderator Chris Cummins lebt den Traum vom ständigen Unterwegssein. Fast immer mit dabei: Sein Mikrofon und (s)ein Fahrrad.

Chris, dich scheint das Reisefieber gepackt zu haben. Was fasziniert dich so am Reisen?

In meiner Kindheit war einer meiner Helden William Dalrymple, der mit 22 Jahren auf den Spuren von Marco Polo von London nach Beijing gereist ist. Dabei hat er interessante Geschichten erlebt und faszinierende Menschen kennen gelernt. Das wollte ich auch. Deshalb bin ich als 21jähriger nach Afrika gereist: Ich wollte die graue Zonen hinter den Klischees erkunden. Ich wollte mir die Geschichten von Fischern und Marktfrauen anhören. Ich wollte die guten Seiten eines Landes sehen, aber auch die schmutzigen, chaotischen, anstrengenden Momente erleben und darüber schreiben. Ich wollte weniger Theorie und mehr Schmutz.

Das ist dir ja offenbar gelungen. Dein Reisebuch „A West African Summer” über dein Jahr in Ghana beginnt ja gleich mit einer ziemlich unangenehmen Geschichte in einem Taxi…

Ja, das war schlimm: Der Taxifahrer hat mich nach meiner Ankunft am Flughafen an einen entlegenen Ort gebracht und dann mein ganzes Geld genommen, weil er wusste, dass ich mich nicht wehren konnte.

Das ist passiert, weil ich der Neuankömmling war und keine Ahnung hatte. Ich war 20 Jahre alt und allein unterwegs. Das war anstrengend. Und doch habe ich mich in Ghana verliebt! Ich hatte deshalb richtige Schuldgefühle, ausgerechnet mit diesem Erlebnis zu beginnen. Es gibt so viele negative Klischees über das Reisen in Afrika, und meine Eltern haben sich genug Sorgen gemacht. Doch es ist genauso passiert, also musste ich die Geschichte von diesem Taxifahrer erzählen.

Vielleicht kommt sowas heutzutage nicht mehr vor. Vor zehn Jahren war das in meinem Fall aber so. Reiseberichte sind ja immer eine Momentaufnahme. Deshalb ist Ehrlichkeit das Wichtigste. Nicht um zu schimpfen oder zu loben, sondern um zu erzählen, wie du das Land erlebst, was dir widerfährt, was die Leute sagen.

Chris Cummins reisender Journalist

Chris Cummins mit Verletzung…

Ist das ein Grund, warum du immer mit deinem Mikrofon unterwegs bist?

Ich verwende mein Mikrofon meist so wie andere Touristen ihre Kamera: Um Momente fest zu halten. Ob ich irgendetwas davon als Journalist veröffentliche oder nicht, daran denke ich erstmals gar nicht. Aber um ehrlich zu sein, manchmal ist Journalismus eine gute Ausrede Leute anzureden und auszufragen. Da ist es schon nützlich, ein kleines Mikro in meinem Rucksack zu haben. In Vietnam zum Beispiel habe ich zwei alten US Veteran an einem ehemaligen Schlachtfeld getroffen. Das war eine tolle Geschichte fürs Radio!

Reisender Journalist, das klingt für viele nach Traum(job)…

Ehrlich gesagt würde ich ungern Reisejournalist sein, da schreibt man doch am Ende über das Hotelbuffet.

Chris Cummins beim Schreiben, Reisender Journalist, FM4 Moderator

Chris Cummins

Für mich ist der beste Reiseberichterstatter John Gimlette. Er bereist Länder wie Paraguay und schreibt darüber so abenteuerlustig, weil er sich für jeden Aspekt einer Kultur interessiert. Gimlette ist kein Vollzeitjournalist. Er arbeitet die Hälfte der Zeit als Anwalt in London. Da verdient er sein Geld, um dann seiner Leidenschaft dem Reisen zu folgen.

Mein Plan geht im Moment eher in diese Richtung: Ich habe eine Arbeit, und in meiner Freizeit schreibe ich über das Reisen, weil es meine Leidenschaft ist. Wenn man als Journalist in ein Land geschickt wird, dann muss man viele Geschichten pro Tag liefen. Wenn man hingegen unabhängig reist und es egal ist, ob man mit einer Geschichte nach Hause kommt oder nicht, dann kann man das Reisen genießen und erlebt vielleicht etwas Unerwartetes.

Bist du deshalb so gern mit deinem Fahrrad unterwegs, weil es dich unabhängig beim Reisen macht?

Ja, es gibt für mich keine bessere Art des Reisens. Du bist 360 Grad von der Welt umringt und nicht in einem Käfig, aus dem man Passanten zuwinken kann. Du riechst das Land, hörst alles, nimmst es mit allen Sinnen auf. Und am Ende des Tages bist du hungrig, gehst ins Gasthaus und kommst in Gespräch mit Leuten. Das ist das Schönste! Außerdem hat es die nette Nebenwirkung, umweltfreundlich unterwegs sein zu können und sich fit zu halten.

Klingt nach idealem Fortbewegungsmittel! Abgesehen vom Fahrrad, was macht für dich eine erfolgreiche Reise aus?

Es gibt beim Reisen immer ein Risiko, das ist auch der Spaß dabei. Ich bin immer etwas angespannt, weil sehr viel passieren kann. Das ist kein Klischee. Also nenne ich es Erfolg, wenn ich heil nach Hause komme. Noch besser ist es, wenn man unterwegs Freunde gefunden hat.

Von all deinen Reisen, welche haben dich besonders geprägt?

Ich war ein Jahr in Afrika, daran denke ich noch oft. Ich habe viel über mich, aber auch das Land gelernt und ich habe dort noch gute Freunde. Das ist mit Abstand die aufregendste Reise meines Lebens gewesen. Auch weil viel Scheiße passiert ist.

Chris Cummins Reise Journalist in Vietnam, Ho Chi Minh Palast

Chris Cummins in Vietnam

So eine Reise ist wie ein Minileben mit Höhen und Tiefen. Diese Sachen lassen dich nie wieder los.

Nicaragua fand ich spannend… Aber mein Lieblingsreiseland ist bisher Vietnam. Es gab dort so viel zu bewundern, so viel zu bedauern, und ich habe extrem interessante Leute getroffen. 24 Stunden pro Tag waren nicht genug für das, was man machen, sehen, lernen konnte. Ich kann mir definitiv vorstellen, dass ich irgendwann dorthin zurückgehe.

Abgesehen davon, hast du schon eine neue Reise geplant?

Nein, aber mein nächstes Projekt ist sicher Großbritannien anzuschauen. Man reist nie in seinem eigenen Land herum, ich kenne mich kaum aus in England, Schottland oder Wales. Ich möchte erfahren, was es heißt, Engländer zu sein, besonders jetzt nach den Wahlen. Ich lese Berichte über Großbritannien, in welcher Stimmung sich das Land befindet. Ich habe auch das instinktives Gefühl dass von außen viel Unsinn über Großbritannien geschrieben wird. Ich möchte mehr herausfinden Ich möchte mich in den Dorfpubs mit den Menschen unterhalten. Ich möchte mein eigenes Land verstehen – und das tue ich wirklich noch nicht. Großbritannien ist genauso spannend wie Vietnam. Es gibt für mich kein un-exotisches Land.

 

Titelbild: Chris Cummins

Buch Chris Cummins "A West African Summer"

Buchcover: Chris Cummins „A West African Summer“

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